UNDERDOX country focus & artists in focus: LONDON ORBITAL
Walking & poetry, filmmaking as performance art Director Andrew Kötting and Sven Koch, translator of the works of Iain Sinclair – film talk about BY OUR SELVES. Munich, Filmmuseum, 10 Oct 2025.
15 Positionen aktueller Videokunst aus Bayern – das 6. VIDEODOX in der Galerie der Künstler*innen wurde am vergangenen Dienstag feierlich eröffnet! Öffnungszeiten: Täglich außer Mo/Di. Noch bis 12. Oktober! Mehr Informationen
Angela Stiegler vom BBK e.V.„Frog eat frog“: Ivan Paskalev„Die leidende Frau“: VIDEODOX-Leiterin Dunja Bialas mit Künstlerin Franziska Unger (l.)VIDEODOX-Leiter Matthias von Tesmar mit den Jurymitgliedern M+MDas Auswahlteam (v.l.): Matthias von Tesmar, Anna Schellkopf, Nora Moschüring, Florian Geierstanger, Dunja Bialas
Želimir Žilnik, einer der führenden Regisseure der jugoslawischen Schwarzen Welle der 1960er und 70er Jahre, kommt am Freitag 10.10. um 21:00 Uhr ins Filmmuseum München. Sein Film Eighty Plus(Restitucija, ili, San i java stare garde) wurde auf dem GoEast-Festival mit dem Preis der Fipresci ausgezeichnet.
Mit seinem neuesten Werk hat er eine Hommage an das Älterwerden geschaffen, die nie ins Jammern gerät, ohne dabei altersbedingte Tücken auszuklammern. Milan Kovačević spielt die über-80-Jährige Hauptfigur auf eine so liebevolle und nahbare Art, dass man gar nicht anders kann, als ab der ersten Szene in einem Wiener Schallplattenantiquariat an seinen Lippen zu hängen. Der Film verbindet (sozialistische) Geschichte mit der persönlichen Geschichte des Protagonisten, der das während dem Zweiten Weltkrieg beschlagnahmte Anwesen seines Vaters erbt. Es entwickelt sich eine Reise zwischen Zukunft und Vergangenheit, bei der vieles offen, aber trotz des fortgeschrittenen Alters nichts zu spät ist – dieses berührende wie schlicht und ergreifend schöne Werk ist eine ganz besondere Art des Coming-of-Age. – Paula Ruppert
What Does That Nature Say to You des südkoreanischen Altmeisters Hong Sang-soo wird stattdessen am Dienstag, dem 14.10. um 21 Uhr im Filmmuseum gezeigt.
Unser Thema im Jubiläumsjahr: Irgendwas mit Kunst. Damit beschäftigen wir uns, seitdem wir UNDERDOX gegründet haben. Wir wollen Filme nicht an uns vorbeirauschen lassen. Wir wollen sie sehen, wir wollen sie hören, ganz bewusst, eyes & ears wide open. Wir feiern den Film als Kunst. Und das gar nicht so lapidar, wie unsere Formulierung vermuten lässt.
Der Maler Albert Oehlen, mit Udo Kiers stechendem Blick, steht vor einer weißen Leinwand. Setzt einen dicken Pinsel strich. „A fleck is already a painting“, triumphiert er. Mit Udo Kier, Charlotte Taschen, Grace Zabriskie, Kim Gordon. Deusche Premiere!
LONDON ORBITAL | country & artists in focus
Die Londoner Filmemacher Andrew Kötting, Chris Petit, Emma Matthews und der Schriftsteller Iain Sinclair erwandern filmend und textend ihre Umgebung. Sie öffnen poetische Sichtschneisen auf die Wirklichkeit – auf die Urbanität, das Randständige, auf das Irresein der Welt.
ART & ARCHIVE | panel & filme & VIDEODOX
Ein Panel in Kooperation mit dem NS-Dokumentationszentrum und der Sammlung Goetz zur Gestaltung von Historie in der Kunst setzt einen weiteren Schwerpunkt im diesjährigen Programm. Auf dem Panel: Ute Adamczewski, Daniel Asadi Faezi, Mila Zhluktenko,Susanne Touw (Sammlung Goetz)
VIDEODOX | 30 sept (eröffnung 18-22 Uhr) bis 12 okt
Für seine Jubiläumsausgabe gibt sich UNDERDOX ein Meta-Thema. Geht es dem Festival etwa nicht seit seinem Gründungsjahr 2006 um „Irgendwas mit Kunst“? Augenzwinkernd und bewusst lapidar bezeichnen wir die Schnittstelle unseres Tuns. Wir vereinen die dokumentarischen Formen mit der hohen Kunst, diese zu gestalten, bringen die Sparten – Dokumentar- und Experimentalfilm, ja sogar den Spielfilm – in eine gegenseitige Ansteckung der Künste. Unsere Filme verhalten sich zur Wirklichkeit im Modus, irgendwas mit Kunst zu tun zu haben.
Als Eröffnungsfilm zeigen wir in deutscher Premiere BAD PAINTER von Albert Oehlen, Bruder des in München ansässigen Künstlers Markus Oehlen. Udo Kier spielt den Maler, pointiert bei der Arbeit und in seinem Leben portraitiert. Mit Charlotte Taschen und Sonic-Youth-Musikerin Kim Gordon als Interviewerin und Richterin. Als Vorfilm ist GERHARD des in Berlin ansässigen Schongauer Künstlers Ulu Braun zu sehen, eine KI-generierte Hyperbel über den höchstgehandelten Kunstmaler Gerhard Richter.
Albert Oehlen: BAD PAINTER (deutsche Premiere), 80 Min. Ulu Braun: GERHARD, 10 Min. Donnerstag, 9.10.2025, 19 Uhr, Filmmuseum München Zu Gast: Felix Boehm, Ulu Braun
Unsere Auswahljury, bestehend aus Dunja Bialas, Florian Geierstanger, Nora Moschüring, Anna Schellkopf und Matthias von Tesmar, hat aus um die 60 eingereichten Arbeiten für den VIDEODOX Förderpreis 2025 nominiert:
Ulu Braun
Pacific Vein | 2024
Tobias Friedauer
A series of (moving) images following one from the other | 2025
Elfi Mikesch, Kamerafrau und Regisseurin, mehrfach ausgezeichnet für ihre Bildvisionen, ist eine frühe Pionierin des feministisch-queeren Films. Geboren am 31. Mai 1940 im steirischen Judenburg, begann sie zunächst als Fotografin und Ma- lerin. In den frühen 1960er Jahren lernte sie in Frankfurt am Main Rosa von Praunheim kennen und ging mit ihm nach West-Berlin. Sie arbeitete eng mit Praunheim zusammen, bald darauf auch mit Werner Schroeter (Kamera für MALINA) und Monika Treut, mit der sie 1984 die Hyäne-Filmproduktion gründete. Ihre ersten eigenen Arbeiten waren Foto-Filme, die sie bis heute als Chronistin des Verborgenen fortsetzt. Zum 85. Geburtstag der Ausnahme-Kamerafrau zeigt UNDERDOX in seiner Halbzeit einen Aus- schnitt aus dem Werk von Elfi Mikesch, spricht mit ihr über die Wichtigkeit der Erinnerung und über das Imaginäre im Zwischenraum der Bilder. Elfi Mikesch ist zu Gast. Mehr Informationen
Starring: Bernd Brehmer und Tim Leyendekker Shot on location: FIDMarseille, 2023 Music: Kiko El Crazy & Angel Dior with „Pa’Ti Ya“ Camera & editing: Dunja Bialas
18 Langfilme haben es dieses Jahr in die offizielle UNDERDOX Selektion geschafft. Darunter finden sich große Titel wie GRAND TOUR des Portugiesen Miguel Gomes (Beste Regie, Cannes), PEPE des Kolumbianers Nelson Carlo de los Santos Arias (Silberner Bär, Berlinale) und DIRECT ACTION der Wahlfranzosen und -Berliner Ben Russell und Guillaume Cailleau (Berlinale Encounters Award). Aber auch die „unspektakulären“ Preisgewinner THE OTHER WAY AROUND des Spaniers Jonás Trueba (Bester Europäischer Film, Cannes) (Deutsche Premiere), EIN SCHÖNER ORT der Kölnerin Katharina Huber (Beste Regie, Locarno, Beste Darstellerin Locarno für Clara Schwinning) und ANIMAL der Griechin Sofia Exarchou (Beste Darstellerin Locarno für Dimitra Vlagopoulou), der für den LUX Audience Award nominiert ist.
Gemeint ist damit nicht die esoterische oder die empfindsame Ausrichtung. Wir richten unsere Aufmerksamkeit auf das, was auf der Leinwand geschieht. Und auf alles, was unser Bewusstsein schärft: Das ist die awareness, die wir meinen.
Zu Bewusstsein kommen wir oft, wenn etwas fehlt. Die radikalste Version bringt Stanley Schtinter mit seinem Film SCHNEEWITTCHEN (Deutsche Premiere) mit. Gedreht nach dem Dramolett von Robert Walser ist der Film eine Hommage an den portugiesischen Meister João César Monteiro, der beim Dreh von BRANCA DE NEVE aus Versehen seinen Mantel über die Kamera gehängt hatte. Ein illustrer Cast untersucht den Mordversuch an Schneewittchen. Hanns Zischler (der Jäger), Regisseur Stanley Schtinter und Joshua Bonnetta (Filmeditor) sind anwesend.
Der baskische Regisseur Oskar Alegria ist ein Meister im Aufspüren der Zwischentöne, des Ungesagten und des Unsichtbaren. Auch seine Filme zeigen wir unter dem Thema awareness, zugleich ist er unser diesjähriger Artist in Focus. Unser Eröffnungsfilm ZINZINDURRUNKARRATZ (Deutsche Premiere) lädt ein zu einer Reise voller Erinnerungen, auf der Suche nach einem alten Hirtenweg, mit einer Super-8-Kamera und einem Esel als Begleiter.
Oskar Alegria, Zinzindurrunkarratz – Eröffnungsfilm
Der philippinische Filmemacher KHAVN ist der Meister des This is not. Deshalb verneinen auch wir, dass er unser zweiter Artist in Focus ist. KHAVN ist ein ebenso ungezähmter Musiker wie Filmemacher. Er entfesselt Alexander Kluge und Lilith Stangenberg und scratcht das Bild, während er in die Klaviertasten hämmert. In unserer Closing Night gibt er in Begleitung von Babel Gun ein Ciné-Concert auf dem Flügel des Filmmuseums. Außerdem läuft KLUGE’S 5TH BIRTHDAY 1937 (Deutsche Premiere), und als Abschlussfilm zeigen wir MAKASIMA: PHANTASM OF REVENGE mit Lilith Stangenberg. Wir erwarten Alexander Kluge und Lilith Stangenberg als Gäste (angefragt). Außerdem im Programm: MAKBETAMAXIMUS (2024), Montag 14.10., 21:30 Uhr, Werkstattkino. Khavn ist zu beiden Vorstellungen anwesend.
young people’s choice: Belgrade Youth
Für unser Nachwuchs-Förderprogramm haben wir zum zweiten Mal die junge Generation eingeladen, ein Programm mit Filmen junger Filmemacher:innen zu kuratieren. Vid Radičević (Belgrad) und Paula Ruppert (München) haben für ihr Kurzfilmprogramm Belgrade Youth, das aus sieben Filmen besteht, auch zwei Weltpremieren gefunden. Sie sind bei der Vorführung anwesend. (Dienstag, 19 Uhr, Werkstattkino)
César Vayssié | FR 2018 88 min | HD | Französisch, Englisch B+K+S: César Vayssié | M: Avia x Orly | T: César Vayssié, Pierre Avia | P: AFE (Caroline Redy) | V: Shellac | Mit Elsa Michaud, Gabriel Gauthier www.cesarvayssie.com
Ein Jahr lang hat César Vayssié auf der Straße und in der Öffentlichkeit des Internets eingesammelt, was passiert ist. Als wäre es ein situationistischer Snapshot-Film, ergießt sich das Foundfootage der Straße in einem rasant-ephemären Schnelldurchgang. Die Politik der Straße: Transparente, Terrorangst, ein Tsunami der medialen Überwältigung. Davor, dazwischen, währenddessen: nimmt die Geschichte eines Paares, die auf der Kunstschule das Leben proben, ihren Lauf.