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21. UNDER|DOX 08 – 14 OKT 2026

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  • Archivio Aperto Bologna


    freitag 9 okt 18:00 filmmuseum | zu gast: Stella Kluge (Young People’s Choice)
    tickets

    Das Archiv als Ort der Verhandlung

    Wie sehr sich das Medium Film bereits in seiner Vergangenheit entwickelt hat, zeigt sich in der Diversität seiner Trägermaterialien: vom Zelluloid des Schmalfilms über das Magnetband bis zur digitalen Scheibe.

    Das Festival Archivio Aperto, das seit 2008 jährlich in Bologna stattfindet und von Home Movies – Archivio Nazionale del Film di Famiglia organisiert wird, widmet sich der Sichtbarmachung, Reflexion und Aufklärung des kleinformatigen Filmerbes sowie dessen zeitgenössischer Wiederverwendung.

    Im Zentrum dieses in Kollaboration mit Archivio Aperto kuratierten Programms steht die Einladung, Geschichte immer wieder neu zu befragen. Untersuchungsgegenstand ist nicht allein das Archivmaterial selbst, sondern auch dessen Rekontextualisierung. So wird deutlich, dass Geschichte nie einfach nur erzählt wird, sondern stets eine Konstruktion ist, die von Perspektive, Auswahl und Kontext abhängt.

    Die hier gezeigten Filme entstehen selbst aus einem Resonanzraum: dem persönlichen, künstlerischen Dialog ihrer Regisseurinnen mit dem Archivmaterial. Es wird
    kontextualisiert, neu montiert und in andere Zusammenhänge gestellt. Aus fremden Bildern werden eigene Filme. Sie schreiben Erzählungen fort, verschieben sie, brechen sie auf.
    Das Archiv erinnert und bewahrt nicht nur, sondern wird zum Ort der Verhandlung: Geschichte löst sich auf und formt sich neu. – Stella Kluge, Young People’s Choice

    Trip After

    donnerstag 8 okt 19:00 filmmuseum | eröffnung

    © Ukrit Sa-nguanhai


    In den 1960er Jahren reisten die mobilen Filmteams des United States Information Service (USIS) durch den Nordosten Thailands und zeigten im Rahmen einer psychologischen Operation ihre selbst produzierten Propagandafilme vor einem ländlichen Publikum. „The Community Development Worker“, eines ihrer beliebtesten Werke, wurde ebenfalls in einer Provinz dieser Region gedreht. „Trip After“ ist ein Reise-Vlog aus dem Jahr 2022, der von den Exkursionsberichten dieser mobilen Filmteams des USIS inspiriert ist. Der Film kehrt an dieselben Orte zurück, an denen die ursprünglichen Vorführungen und Dreharbeiten stattfanden – sei es, um den Eindruck vergangener Ereignisse nachzuzeichnen, zu artikulieren oder zu erfinden.

    Archivmaterial

    „The Community Development Worker“ (1963), Kurzdokumentarfilm, produziert vom United States Information Service (USIS) in Bangkok zu Propagandazwecken für Vorführungen in ländlichen Gebieten. Filmausschnitt bereitgestellt vom Filmarchiv Thailand. „Sherlock Jr.“ (1924), Stummfilm unter der Regie von Buster Keaton, gemeinfrei.

    Ukrit Sa-nguanhai

    Sein besonderes Interesse gilt der Ästhetik des Amateurfilms und der frühen Filmgeschichte. Der Filmemacher lebt in Bangkok.

    Ukrit Sa-nguanhai | TH, NZ 2022 | 10 min | B+E: Ukrit Sa-nguanhai | Stimmen: Kedkaew Kumarasit, Suriya Saiwaew, Thanaphon Thepthong, Fasai Wongbun, Samran Somboon | P: Tuntita Nititsopon

    Autorretrato a los 13

    freitag 9 okt 18:00 filmmuseum | archivio aperto

    © Oscar X. Illingworth


    Ein Zimmer, eine Jungfrau Maria, Zahnpasta-Werbung, Bikinis, der Krieg zwischen Ecuador und Peru, venezolanische Seifenopern, Spätnachrichten, der Teufel und die Sonne – ein Kind entdeckt das Kino. Eine schizophrene Videocollage, wie die ecuadorianische Identität oder das neue Jahrhundert.

    Archivmaterial

    Ecuadorianische Fernsehnachrichtensendungen der Sender Ecuavisa, Teleamazonas und Si TV aus den Jahren 1990 bis 1996 sowie ein privates Mini-DV-Archiv von 2006.

    Oscar X. Illingworth

    Ecuadorianischer Dokumentarfilmer und Filmeditor. In seinen Filmcollagen verbindet er Archivaufnahmen mit zeitgenössischem Material, um Themen wie Geschichte, Identität und die ständige Spannung zwischen Mensch und Natur zu beleuchten.

    Oscar X. Illingworth | EC 2025 | 18 min

    Sensitive Material

    freitag 9 okt 18:00 filmmuseum | archivio aperto

    © Nataliya Ilchuk


    Ausgangspunkt des Films ist eine Sammlung zufällig aufgenommener Glücksmomente und eine versehentlich aufgezeichnete Tonaufnahme. In einem schmerzhaften Gespräch spricht die fünfzigjährige Lilia über ihr psychisches Trauma, das auf die ständigen Streitigkeiten ihrer Eltern während ihrer Kindheit zurückzuführen ist, während ihre Mutter den Mangel an Liebe mit den strengen Rahmenbedingungen einer totalitären Gesellschaft rechtfertigt.

    Nataliya Ilchuk

    Geb. 1985 in Lviv. Filmstudium in Kiew, Warschau und Le Fresnoy, Frankreich. Sie arbeitet mit privaten Archiven und untersucht den Einfluss moderner Technologie und politischer Ideologie auf die Gestaltung menschlicher Beziehungen und künstlerischer Prozesse.

    Nataliya Ilchuk | UA 2021 | 26 min

    HOW TO WRITE, an AI guide in four steps

    freitag 9 okt 18:00 filmmuseum | archivio aperto

    © Nicola Eddy


    In einer Zukunft ohne Vorstellungskraft bedeutet Geschichtenerzählen, die Vergangenheit wiederzuverwerten. Ein Tutorial im Retro-Stil, das von einer KI erzählt wird, zeigt Kreativen, wie sie Fragmente alter Erzählungen miteinander kombinieren können, und verdeutlicht dabei, dass Schaffen eine Konstruktion und keine Erfindung ist.

    Archivmaterial

    Filmmaterial aus verschiedenen Online-Archiven, das mit einer Public-Domain-Lizenz versehen ist: Prelinger Archives, Eva Völkstorm, die Mario-Perez-Videosammlung und der Al-Larvick-Conservation-Fund.

    Nicola Eddy

    Geb. 1993 in Venedig. Filmeditor, Drehbuchautor und Regisseur. Er beschäftigt sich mit Erinnerung und wandelnden Identitäten.

    Nicola Eddy | IT 2025 | 9 min | B+E: Nicola Eddy | M: Andrea Fabris, Alessandro Gambato | WS: Giungla

    State of Elevation (Condition d’élévation)

    freitag 9 okt 18:00 filmmuseum | archivio aperto

    © Isabelle Prim


    An Bord eines Stratosphärenballons, dessen Geheimnis sie hütet, macht eine Teenagerin im
    Weltraum eine seltsame Begegnung. Zwei Ermittlungen versuchen, die Wahrheit vom Falschen zu trennen. Die eine findet in der Gegenwart statt, die andere in der Vergangenheit. Die eine bedient sich Bildern, die andere der Sprache. Die eine blickt in den Weltraum, die andere in die Tiefen … So verbindet die Geschichte einer Suche Archivmaterial und Fiktion.

    Archivmaterial

    Observatoire de l’Espace du CNES.

    Isabelle Prim

    Sie lebt und arbeitet in Paris. In ihren Filmen verbinden sich Experimentelles und Erzählerisches, Archivmaterial und Fiktion.

    Isabelle Prim | FR 2021 | 20 min | E: Isabelle Prim | S+M: Géry Petit | P: Observatoire de l’Espace du CNES | Stimmen: Stéphane Freiss, Félice Cusset, Richard Peyraud, Isabelle Prim

    The Veiled City

    freitag 9 okt 18:00 filmmuseum | archivio aperto

    © Natalie Cubides-Brady

    Eine spekulative Stadtsinfonie, inspiriert vom Großen Smog von London im Jahr 1952. Die aus Archivaufnahmen zusammengestellte Geschichte entfaltet sich anhand fiktiver Briefe aus einer postapokalyptischen Zukunft. Der Film lädt dazu ein, den Smog im Kontext der heutigen Klimakrise zu verstehen.

    Archivmaterial

    BFI National Archive, British Pathé, AP, British Movietone, North West Film Archive, Media Archive Central England, Getty Images, Kinolibrary, Critical Past

    Natalie Cubides-Brady

    Autorin und Regisseurin mit einem Hintergrund in der bildenden Kunst. Sie arbeitet an der Schnittstelle zwischen Dokumentarfilm und Fiktion.

    Natalie Cubides-Brady | GB 2023 | 13 min | B: Natalie Cubides-Brady | S: Ben Goodall | E: Ona Bartroli | P: Jacob Swan Hyam | Mit Aerynne Eastwood

    Festival

    28. September 2026
  • keine freigabe – hidden track of a label history


    freitag 9 okt 22:30 werkstattkino | artist talk
    tickets

    Vilém Flusser hat die fotografische Geste als phänomenologische beschrieben: eine Suche nach Standpunkten, vorgezeichnet vom Programm des Apparats, aber nie ganz von ihm erschöpft. Die MiniDV-Kamera im Club, in den Jahren 1997 – 2004 in vielen Händen gehalten,
    radikalisierte diese Geste – sie war beweglich, kollektiv, vom Affekt geführt statt kalkuliert. Ein Film entstand 2004 aus diesem Bestand: montiert aus Hunderten Stunden
    Material, gedreht von vielen rund um Veranstaltungen eines in München ansässigen internationalen Musik-Labels. Die Methode nahm vorweg, was erst mit YouTube zur Norm werden sollte – nutzergenerierte Aufzeichnung vor der Plattform, die erst später in Erscheinung trat, um diese zu verwalten und zu monetarisieren. Die Montage entzifferte aus diesem Bildkonvolut eine Historiografie des Labels und seines Hypes.

    Zwanzig Jahre später kehrt das Material zurück – nicht als Erinnerungsstück, sondern als Frage. Was heißt Autor:innenschaft, wenn die Kamera schon damals in vielen Händen lag und sich der Film erst in der Montage ergab? Und was heißt „keine Freigabe” – technisch, juristisch, epistemisch – wenn das Archiv seiner eigenen Verwaltung entwachsen ist? KEINE FREIGABE – Hidden Track of a Label History ist eine Archive Lecture mit Filmausschnitten, Dokumenten und Gespräch. – Angelika Lepper

    Angelika Lepper

    Künstlerin und Filmeditorin. Sie studierte an der Staatlichen Hochschule für Gestaltung, Karlsruhe, Tür an Tür mit dem ZKM – Zentrum für Kunst und Medien, Medienkunst /
    Film und Philosophie und Ästhetik. Von 2004 bis 2014 war sie an der Filmuniversität Potsdam-Babelsberg als künstlerisch-wissenschaftliche Mitarbeiterin tätig. 2007 war sie Gastprofessorin für Experimentelle Television an der Bauhaus Universität Weimar. 2026 hielt sie bei der UNDERDOX halbzeit eine Lecture zu „Primitive Diversity. Alexander Kluge und der Konjunktiv der Bilder”.

    Sie ist Mitglied im Bundesverband Filmschnitt und setzt sich für den Nachwuchs sowie in der AG KI für die Verbesserung der politisch-beruflichen Bedingungen von Filmeditor:innen ein.

    Festival

    28. September 2026
  • Das Schweigen Brechen


    sonntag 11 okt 16:30 werkstattkino | zu gast: die angehörigen der opfer
    tickets

    das schweigen brechen
    Gedenkinitiative für NS-„Euthanasie”-Opfer
    Filme & Gespräche

    Die Gedenkinitiative für NS-„Euthanasie”-Opfer engagiert sich seit 2015 für eine gelebte Erinnerungskultur an die Opfer der Krankenmorde. Sie setzt die Bemühungen der AG Psychiatrie und Fürsorge im Nationalsozialismus
    in München fort, die 2018 das Gedenkbuch für die Münchner Opfer der NS-„Euthanasie”-Morde für das NS-Dokumentationszentrum und den Bezirk Oberbayern herausgegeben hat.
    Zentrale Anliegen der Gedenkinitiative sind die Unter-stützung der betroffenen Familien und die Sensibilisierung der Gesellschaft für eine oft vergessene Opfergruppe.

    Was bewegt uns? Viele die persönliche Betroffenheit: Die einen, weil es in der Familie ein Opfer gab, die anderen, weil sie sich die Frage stellen: Wäre ich damals auch
    ermordet worden? Und die Dritten fragen sich: Wie hätte ich damals gehandelt, wenn ich verantwortlich gewesen wäre? Aber es ist nicht nur die persönliche Betroffenheit, die zum Engagement führt. Erinnerungskultur in Deutschland lebt von jenen, die die Geschichte verstehen wollten, die aus der Geschichte lernen wollten und die Geschichte vermitteln wollten.

    In Kooperation mit der Gedenkinitiative lädt UNDERDOX zu einem Nachmittag mit Filmen und Gesprächen mit den Angehörigen von Opfern der NS-„Euthanasie” ein. Unser Dank gilt Sibylle von Tiedemann von der Gedenkinitiative.

    programm:

    Das Schweigen brechen

    Um die 300.000 Menschen fielen in der Nazi-Zeit den „Euthanasie”-Morden zum Opfer. Jeder achte Deutsche hat einen ermordeten Verwandten unter seinen Vorfahren. Doch in der Erinnerungs- und Gedenkkultur spielen sie nur selten eine Rolle.
    Gleichzeitig beeinflussen diese Verbrechen bis heute unsere Gesellschaft in der Diskussion über Inklusion, den Umgang mit Behinderten und Randgruppen. Die Krankenmorde haben in den Familien, in
    denen ihr Schicksal verschwiegen wurde, ein Trauma hinterlassen.
    Viele Nachkommen machen sich auf Spurensuche. Sie brechen das Schweigen und erzählen von den ermordeten Angehörigen, nennen öffentlich ihre Namen. „Das Schweigen brechen” zeichnet das NS-System der Krankenmorde nach und gibt den Angehörigen das Wort, die sich auf die Suche nach der Wahrheit gemacht haben.

    Filmgespräch mit den Angehörigen der Opfer:
    Begrüßung: Gedenkinitiative (Sibylle von Tiedemann)
    Filmgespräch mit: Barbara Baum, Margarete Flygt und Josef Held


    Robert Domes
    DE 2025
    37 min | Deutsch | K+S+E: Lorenz Kloska, bfs

    Eigentlich wollte ich nicht so lange bleiben

    In den späten 1970er-Jahren zog Andreas Grützner vom Dorf nach Hamburg. Als 17-Jähriger findet er eine Anstellung in den Alsterdorfer Anstalten. Der Ort und der gewaltvolle Umgang mit den dort untergebrachten Menschen mit Behinderung überfordern ihn, doch er bleibt und erlebt einen gesellschaftlichen Wandel mit. Die späte Aufdeckung eines Familientraumas setzt ein Nachdenken über die Zeit in Gang.

    Wie veränderte sich das Umgehen mit Menschen in Heil- und Pflegeanstalten von den 70er Jahren bis heute? Wer sind die Menschen, die in so einer Einrichtung leben und wie erlebt es ein
    junger Mann, der in den 70ern dort anfängt zu arbeiten? Konfrontiert mit einer traumatischen Entdeckung in der Familienbiografie startet eine Reflexion. – Andreas Grützner

    Andreas Grützner
    DE 2025

    Preis der deutschen Filmkritik
    23 min | Deutsch

    Andreas Grützner

    Geb. 1962, Sozialpädagoge, Künstler und Kulturschaffender mit langjähriger Erfahrung in inklusiven Projekten, Filmproduktion und Festivalorganisation.

    Filme

    Romy, ich bin krank 2013 | Christ/el 2016 | Land der Gegenden 2019 Eigentlich wollte ich nicht so lange bleiben 2025

    B+P: Andreas Grützner | Mit Helga Kreutz, Walter Uehr, Anita Grönig, Olaf Wohlert, Günter Auerswald

    Festival

    27. September 2026
  • The Thing in the Coffin (A dolog a koporsóban)



    samstag 10 okt 22:30 werkstattkino | midnight movie
    ticket

    Von der Heim­su­chung durch bad dreams erzählt Péter Lichter ausgehend von Francis Ford Coppolas schwüls­tigem „Bram Stoker’s Dracula” (1992). Der unga­ri­sche Expe­ri­men­tal­film­re­gis­seur hat Hunderte von Dracula-Verfil­mungen in einen träu­me­ri­schen Montage-Reigen gebracht, mit einem sugges­tiven Sound­scape unterlegt und in rote Farbe gebadet. Künst­le­risch verfährt Lichter im Zwischen­reich vom Analogen und Digitalen: Auf Ebay erstei­gerte Film­ko­pien werden Kader für Kader abfo­to­gra­fiert und im Rechner animiert, dabei mit der Kamera des Mobiltelefons vom Monitor abgefilmt. – Dunja Bialas

    Péter Lichter
    HU 2026 | Deutsche Premiere

    62 min | ohne Dialog

    Péter Lichter

    Geb. 1984 in Ungarn. Studierte Filmgeschichte und -theorie an der ELTE Universität in Budapest. Seit 2002 dreht er experimentelle Found-Footage- und Dokumentarfilme. Er schreibt Bücher zu Film und lehrt am Department of Film and Visual Studies of the University of Pécs in Budapest.

    Filme (Auswahl)

    No Signal Detected 2013 (Kurzfilm) (9. UX) | Frozen May 2017 | The Rub (with Bori Máté) | Empty Horses 2019 | The Philosophy of Horror (with Bori Máté) | Barokk Femina 2020 | The Mysterious Affair at Styles 2022 | The Grey Machine 2025 | The Thing in the Coffin 2026

    R+B+K+E+P: Péter Lichter | S: Kovács-Vajda Bence | M: Bence Kovács-Vajda, Anna Bölöni

    Festival

    25. September 2026
  • Sedimente



    montag 12 okt 18:00 theatiner | thema: erinnern | zu gast: Laura Coppens
    ticket

    Laura Coppens‘ Großvater, im Krieg geboren, in der DDR aufgewachsen und zum Arzt ausgebildet, später von der Stasi als IM angeworben, dann jäh fallengelassen, als er sich weigerte, den Kontakt zu seiner Tochter abzubrechen, die sich in einen Spanier verliebt hatte und nach Madrid ausreiste. „Wir sind das Volk!“, Christa Wolfs Rede am 4. November 1989 in Ost-Berlin. Besuch auf dem Waldfriedhof, wo die Oma ihre Ruhestätte hat. „Jetzt kann ich nicht mehr, ich kann nicht so lange stehen“, sagt der Opa in die Kamera. 16mm. Super-8-Erinnerungen der jungen Großeltern, Sommerurlaub, Verliebtsein, schwarzes Haar. Beide Ärzte im Arbeiter- und Bauernstaat, obwohl dem Opa ein kleinbürgerliches Bewusstsein attestiert wurde.

    Laura Coppens ordnet nicht, sie sammelt an, gräbt assoziativ zusammen mit dem Opa in den Schichten seines Gedächtnisses, zieht Fotografien, Briefe, E-Mails und die Stasi-Akten zu Rate. Will verstehen, was den Opa umtreibt, was die Familiengeschichte ist, deren Sedimente den Untergrund der Gegenwart bilden. „Das Vergangene ist nicht tot“, schreibt Christa Wolf in „Kindheitsmuster“. Laura Coppens hat Zitate aus ihrem Roman in die mechanische Schreibmaschine Marke „Erika“ getippt, nimmt sie als Kapitelüberschriften oder wie das kurze Innehalten durch Sinnsprüche. Allzu schwer lässt sie sie nicht über dem Film hängen, wie auch ihr Film „Sedimente” nicht allzu schwer ist. Das Verhältnis von Opa und Enkelin ist leicht, kommunikativ, nicht bemüht, offen, nicht fürs Wohnzimmer aufbewahrt. Lebendig,
    nicht mühsam hervorgeholt. – Dunja Bialas

    Laura Coppens
    CH, DE 2025
    Prix spécial du Jury, Visions du Réel, Gedanken-Aufschluss-Preis, DOK Leipzig

    81 min | Deutsch

    Laura Coppens

    Geb. 1980 in Berlin. Studierte Sozialanthropologie an der Freien Universität Berlin. Seit 2014 wissenschaftliche Mitarbeiterin im Bereich der Medienanthropologie an der Universität Bern.

    Filme (Auswahl)

    Taste of Hope 2019 | Sedimente 2025 (21. UX) | Luz y Amor 2026

    R+B+P+S: Laura Coppens | K: Pierre Reischer, Laura Coppens | E: Kathrin Schmid, Laura Coppens | SD: Azadeh Zandieh | M: Azadeh Zandieh | WS: Srikandi Films | Mit Laura Coppens, Günther Gerber, Renate Gerber, Johannes Gerber

    Festival

    25. September 2026
  • Roma Elastica



    mittwoch 14 okt 21:00 filmmuseum | closing film
    ticket

    Die Glamour-Jahre der amerikanischen Schauspiel-Ikone Eddie Mars (Marion Cotillard) sind vorbei, als sie eine Krebsdiagnose erhält. Todesgeweiht nimmt sie ein Engagement für einen durchgeknallten Science-Fiction-Film in Rom an. Da wir die frühen 1980er-Jahre schreiben, gerät sie in die Geburtsstunde des Privatfernsehens, in exzessive Dreharbeiten und Partys – die Ebenen vermischen sich zunehmend surreal-elastisch. Maskenbildnerin Valentia (Noémie Merlant) hält derweil schmierige Gestalten auf Abstand. Eine fiebrige Hommage an den verblassenden italienischen Genrefilm. Hypnotisch, hysterisch, trashig: Das Kino in einem letzten Zustand der Ekstase. – Dunja Bialas

    Bertrand Mandico
    FR, IT 2026

    107 min | Französisch, Englisch,
    Italienisch | 35mm

    Bertrand Mandico

    Geb. 1971 in Toulouse. Studierte an der Gobelins in Paris und erhielt dort 1993 sein Diplom im Bereich Animationsfilm. In seinen Kurzfilmen, Musikvideos und Kunstfilmen hat er einen unverwechselbaren surrealistischen, genderfluiden und analogen Stil entwickelt.

    Filme (Auswahl)

    The Wild Boys 2017 | After Blue (Dirty Paradise) 2021 | She is Conann 2023 | Dragon Dilatation 2024 | Roma Elastica 2026

    R+B: Bertrand Mandico | K: Nicolas Eveilleau | E: Laure Saint-Marc | S: Simon Apostolou, Geoffrey Perrier | M: Pierre Desprats | P: Mathieu Verhaeghe, Thomas Verhaeghe, Marco Alessi und Daniele Segre | V: Rapid Eye Movies | WS: Kinology | Mit Marion Cotillard, Noémie Merlant, Martina Scrinzi, Agnese Claisse

    Festival

    25. September 2026
  • Revolutionaries Never Die



    freitag 9 okt 21:00 filmmuseum | filming nature filming architecture

    zu gast: Ivan Marković
    ticket

    Ein Filmemacher versucht, eine letzte, unbeantwortete Einladung zu entschlüsseln: Warum bat die renommierte libanesische Regisseurin Jocelyne Saab zwei Monate vor ihrem Tod um eine Zusammenarbeit? Da seine Antwort sie nie erreichen kann, wird der Film zu einer lyrischen Expedition durch Leben, politisches Engagement und künstlerische Vision einer einzigartigen Stimme aus einer revolutionären Ära. – Locarno Film Festival

    Mohanad Yaqubi
    PS, BE, QA 2026 | Deutsche Premiere

    81 min | Französisch, Englisch, Arabisch

    Mohanad Yaqubi

    Geb. 1981 in Kuwait. Neben seiner Arbeit als Filmemacher und Produzent unterrichtet er Filmwissenschaften an der International Art Academy in Palästina. Mitbegründer der Produktionsfirma Idioms Film in Ramallah und des Kollektivs Subversive Film, das sich mit militanter Filmpraxis beschäftigt. Er erkundet in seiner Arbeit die Schnittstelle von Archiv, Solidarität und Kino.

    Filme (Auswahl)

    Carnaval 2004 | Insomnia 2005 | No Exit 2013 | Off Frame AKA Revolution Until Victory 2016 | R21 AKA Restoring Solidarity 2022 | Revolutionaries Never Die 2026

    R: Mohanad Yaqubi | B: Mohanad Yaqubi, Mathilde Rouxel | K: Hassan Naamani, Gérard Simon, Jocelyne Saab, Olivier Guéneau | E: Elettra Bisogno, Mohanad Yaqubi, Rita Maria Habib | SD: Raf Enckels | P: Sami Saeed | WS: Square Eyes | Stimmen: Mohanad Yaqubi, Jocelyne Saab

    Festival

    25. September 2026
  • Promised Spaces



    freitag 9 okt 21:00 filmmuseum | filming nature filming architecture

    zu gast: Ivan Marković
    ticket

    Leere Versprechungen der New Economy: In Kambodscha zeigt sich in den Rohbauten einer Gated Community die Schere zwischen Reich und Arm, den Arrivierten und den Arbeitern, der Architektur und der Natur.

    Ein gigantisches Wohnbauprojekt soll die kambodschanische Stadtlandschaft verändern. Doch der Fortschritt trägt das Gesicht einer Ruine: Arbeiter bewohnen die unfertigen Rohbauten eines Projekts, das ihnen selbst keinen Raum verspricht. Parallel dazu zieht die
    wohlhabende Seda in die luxuriöse, ebenfalls leerstehende
    Wohnanlage „Oasis Park“. Ivan Marković richtet seinen Blick auf Räume und ihre gesellschaftliche Transformation, während die Natur
    zunehmend in die Massivität der Architektur eindringt. „Promised Spaces“ interessiert sich für das Versprechen einer Wirklichkeit, die hinter dem Bild verschwindet. – Amelie Hochhäusler

    Ivan Marković
    RS, FR, DE, KH 2026

    76 min | Khmer

    Ivan Marković

    Geb. 1989 in Belgrad. Kamerastudium, danach Studium von Kunst und Medien an der Universität der Künste Berlin. Ivan Marković arbeitet als Kameramann und realisiert eigene Filme und photographische Projekte. Er arbeitet in Belgrad und Berlin.

    Filme

    Centar 2018 | From Tomorrow On I Will 2019 (14. UX) I Inventory 2025 (20. UX) I Promised Spaces 2026

    R+E: Ivan Marković | B: Ivan Marković, Tanja Šljivar | K: Katharina Hauke, Ivan Marković | S: Sokha Hun, Sum-Sum Shen, Ilja Selighoff, Luka Barajević | P: Jasmina Sijerčić, Zsófia Lili Kovács, Jelena Radenković, Daniel Mattes | WS: Luminalia | Mit Vollak Kong, Chea Loch, Vita Vong, Lyer Von, Theara Or, Kanitha Tith

    Festival

    25. September 2026
  • Peacemaker (Mirotvorac)



    mittwoch 14 okt 20:00 werkstattkino | thema: erinnern
    ticket

    Sommer 1991. Der Beginn des Kroatienkriegs scheint unausweichlich, doch Josip Reihl-Kir, Polizeipräsident der ostkroatischen Stadt Osijek, setzt sich unermüdlich für Frieden und Verhandlungen ein. Dieses Engagement bezahlt er mit dem Leben: Reihl-Kir wird auf offener Straße ermordet. Obwohl der Täter mittlerweile im Gefängnis sitzt, sind viele der Hintergründe immer noch unklar. Ivan Ramljak setzt Reihl-Kir ein würdiges filmisches Denkmal – und legt mit einer klugen Kombination aus Archivmaterial und aktuellen Interviews offen, wie gezielt geschürter Hass und Nationalismus zu einer Atmosphäre allgegenwärtiger Angst führen konnten. – Oliver Stangl, Crossing Europe

    Ivan Ramljak
    HR 2025
    Goldene Taube, DOK Leipzig

    100 min | Kroatisch

    Ivan Ramljak

    Geb. 1974 in Kroatien. Filmemacher, Filmkritiker und unabhängiger Kurator. Gründete 2003 das Human Rights Film Festival in Zagreb. Seit 2022 Mitglied des Auswahlkomitees für Kurzfilme des IFFR und Scout für Filme aus den Ländern des ehemaligen Jugoslawiens. Lebt und arbeitet in Kroatien.

    Filme (Auswahl)

    Islands of Forgotten Cinemas 2016 (12. UX) | Home of the Resistance 2018 | Once Upon A Youth 2020 | El Shatt – A Blueprint for Utopia 2023 | Peacemaker 2025

    R: Ivan Ramljak | B: Drago Hedl, Hrvoje Zovko, Ivan Ramljak | K: Srđan Kovačević | E: Damir Čučić | S: Tihomir Vrbanec | P: Nenad Puhovski | WS: Taskovski Films | Stimmen: Gordana
    Ajdukovic, Goran Flaude, Nikola Jaman, Zdravko Pejic

    Festival

    25. September 2026
  • The Mirage (El espejismo)



    dienstag 13 okt 18:00 werkstattkino | cine ibérico | new narrative cinema

    zu gast: Bingham Bryant
    ticket

    Luftspiegelungen an der spanischen Küste haben Anne auf die Insel Santa Clara gebracht. Auf der Überfahrt nach San Sebastián begegnet sie der Portugiesin Margarida. Eine verwunschene Geschichte über das Sehen, Begehren und die Sinnestäuschung.

    Bingham Bryant
    PT, US, DE 2026 | Deutsche Premiere

    70min | Portugiesisch, Spanisch, Französisch | 16mm

    Bingham Bryant

    Mit seinem Spielfilmdebüt For the Plasma (2014) etablierte er sich als präziser Beobachter digitaler Bildwelten und menschlicher Wahrnehmung. Er lebt und arbeitet zwischen den USA und Portugal.

    Filme (Auswahl)

    For the Plasma 2014 | Foreign Powers 2019 | Doomed and Famous 2025 | Untitled 2025 | The Mirage 2026

    R+E: Bingham Bryant | B: Bingham Bryant, Francisca Alarcão, Maria Novo | K: Christopher Messina | S: João Sarantopoulos | SD: Miguel Martins, Miguel Diogo | M: Marina Mello | P: João Matos, Bingham Bryant, Kristina Konrad | WS: Terratreme Filmes | Mit Francisca Alarcão, Maria Novo, Constance Rousseau, Rita Azevedo Gomes, Jan Baeta Salvany, Matías Tolchinsky

    Festival

    25. September 2026
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UNDERDOX Festival 2006—2023