| Mit unserem Artist in Focus Bernardo Zanotta verknüpft sich auch unser Länderschwerpunkt From Brazil with Love. Den Titel entnehmen wir einem Film von der amerikanischen Avantgarde-Legende Vivian Ostrovsky, die über Jahre in Brasilien gelebt hat. Beide verbindet ein queeres Filmschaffen und das Medium Film als Archiv und Erinnerung; beide sind Kosmopoliten des Kinos. Bernardo Zanotta wuchs in Brasilien auf und ging für sein Filmstudium nach Amsterdam. Vivian Ostrovsky, in New York geboren, wuchs ebenfalls in Brasilien auf und studierte in Paris. Beide drücken sich in experimentellen Formen des Kinos aus und gelangen über sie zu einer tieferen Form der Wahrheit der Bilder – jener, die in den vagen Zwischenbereichen der Montage und der Unschärfe überlappender oder nicht fokussierter Bilder verborgen liegt. |
Artist in Focus: Bernardo Zanotta
Bernardo Zanotta (*1996, Porto Alegre, Brasilien) arbeitet vorwiegend mit analogem Film und Videoformaten. 2014 zog er für ein Studium am Moving Image Department der Gerrit Rietveld Academie nach Amsterdam. HEART OF HUNGER (2018) wurde beim Filmfestival von Locarno mit dem Pardino d’Argento ausgezeichnet. Zanotta engagiert sich in der Underground-Kinoszene und in der Queer Diaspora. Seine Filme wurden u.a. am British Film Institute, EYE Filmmuseum, bei FID Marseille, BAFICI, in Rotterdam und Pesaro gezeigt.
Filme
Quintal 2016 | Heart of Hunger 2018 | In His Bold Gaze 2020 | Insieme Insieme 2022 | Wild Fruits 2024 | Tragédia 2025
Insieme insieme

Während ihres Dauerurlaubs in Italien nimmt ein mysteriöses Trio einen unschuldigen Touristen gefangen.
„Der junge brasilianische Regisseur Bernardo Zanotta hat eine queere Farce geschaffen, mit genau dem richtigen Maß an Tempo und Freude – einen Film, der viel der puren Freude am Schaffen filmischer Bilder verdankt: Bildausschnitt, Farben, Motive, Körper. Die Schauspieler Lydia Giordano, Gustavo Jahn und Jun Ortega bilden ein umherwanderndes Trio in den Tiefen der cineastischen und literarischen Erinnerung.“ (FID Marseille)
NL/BR/FR 2022 | 16mm | 37min | Deutsche Premiere
R+B: Bernardo Zanotta | K: Ville Piippo | E: Paul Nouhet, Raydrick Feliciana, Leandro Lefa | S: Sergio Gonzázlez Cuervo | P: Venin Films, Near/by film | Mit Lydia Giordano, Jun Ortega, Gustavo Jahn, Leandro Lefa, Gabriele Pavesi
The Cannibal Trilogy – The common roots of cannibalism and queerness

Heart of Hunger – 1. Teil
Eine Hommage an den Körper und eine episodische Erzählung über das Unaussprechliche; zwei Freunde spielen lustvolle und sadistische Spiele. Sie verlieren einander, sie finden sich wieder –das Herz ist ein einsamer Jäger.
NL 2028 | 29 min | Award Pardino d’Argento, Locarno | Deutsche Premiere
R+B: Bernardo Zanotta | S: Sjors Hoogerdijk, Leandro Lefa | P: Nia Konstantinova | Mit Hinke-Ann Eleveld, Andy Smart, Angelos Messios, Bernd Eilts, Jennifer Zaharieva, Mylan Hoezen, Lennart Smidt
In His Bold Gaze – 2. Teil
Das Leben von Armin Meiwes, Computertechniker aus Rotenburg, der im Jahr 2001 den Berliner Ingenieur Bernd Brandes verspeiste. Ausgehend von Methoden wie dem Dokumentartheater und der Archivforschung stellt der Film den berüchtigten Fall nach und verknüpft ihn mit der Videokultur der späten 90er-Jahre.
NL 2020 | 20 min | Deutsche Premiere
R+B: Bernardo Zanotta | K: Raydrick Feliciana, Bernardo Zanotta, Anna Moreno | S: Sergio Gonzázlez Cuervo | P: Manon Bovenkerk, near/by film | Mit Leandro Lefa, Dani Pleoger, Hinke-Ann Eleveld
Wild Fruits – 3. Teil
Experimentelles Kostümdrama, basierend auf Michel de Montaignes Essay „Über die Kannibalen“ (1580). Vor dem Hintergrund der französischen Kolonialexpansion und der Religionskriege reist der fiktive Dichter Jean Aurand als Teil einer Gruppe von Hugenotten nach Brasilien. Auf einer Insel erlebt er die gewaltsame Kolonisierung.
NL/FR 2024 | 35 min | 16mm | Deutsche Premiere
R+B: Bernardo Zanotta | K: Ville Piippo | E: Paul Nouhet | S: Sergio Gonzázlez Cuervo | P: Manon Bovenkerk, near/by film | Mit Thiago Antunes, Hinke-Ann Eleveld, Igor Pedroso, Diogo Pinto Da Silva u.a.
Tragédia

Mit 13 Jahren bekommt Bernardo Zanotta eine Videokamera und filmt seine Familie während der Ferien. Zusammen mit seiner Stiefmutter ersinnt er ein Mordkomplott gegen seinen Vater, der sie beide vernachlässigt. Eine fiktiv-dokumentarische Found-Footage-Geschichte, die von der erwachenden Liebe zum Kino erzählt.
NL/BR/FR 2025 |15 min | Deutsche Premiere
R+B: Bernardo Zanotta | K: Ville Piippo | E: Paul Nouhet | S: Sergio Gonzázlez Cuervo | P: Manon Bovenkerk, near/by film | Mit Thiago Antunes, Hinke-Ann Eleveld, Igor Pedroso, Diogo Pinto Da Silva u.a.
Quintal

Hommage an den Kurzfilm „Pátio“ von Glauber Rocha (1959), der das Cinema Novo vorbereitete und begeistert von der Bewegung des Tropicalismo aufgenommen wurde.
BR 2016 | 9 min | 16mm | Deutsche Premiere
R+ B: Bernardo Zanotta | | Mit Leandro Lefa, Camila Rosa
Vivian Ostrosvky | from brazil with love
Vivian Ostrovsky (*1945, New York City), aufgewachsen in Brasilien. Sie studierte Film an der Pariser Sorbonne bei Erich Rohmer und in der Cinémathèque française von Henri Langlois. Ostrovskys Werk zeigt eindrucksvolle Mischformen experimenteller Genres wie Found-Footage-Collagen, Essayfilme und Tagebücher. Mitte der 70er-Jahre begründete die Distributionsplattform Ciné-Femmes International, inmitten der Blüte der männerdominierten Nouvelle Vague, um mehr Sichtbarkeit für Filme von Frauen zu schaffen.
Filme (Auswahl)
Movie (V.O.) 1982 | Copacabana Beach 1983 | U.S.S.A. 1985 | Eat 1988 | Uta Makura (Pillow Poems) 1995 | Public Domain 1996 | American International Pictures (1997) | Nikita Kino 2002 | Fone Fur Follies 2008 | Wherever Was Never There 2011 | But Elsewhere is Always Better 2016 | Son chant 2020 | Elizabeth Bishop: From Brazil with Love 2025
Elizabeth Bishop: From Brazil with Love

„1951 machte sich die amerikanische Lyrikerin Elizabeth Bishop, auf der Flucht vor Schreibblockaden und Depressionen, auf den Weg nach Brasilien. 15 Jahre lebte B. mit (der Architektin) Soares im ‚Lota-Haus‘ zusammen, hier schrieb sie den größten Teil ihres Gedichtbandes ‚Question of Travel‘ (1965). Darunter auch ‚Song for the Rainy Season‘, ein topografisches (Liebes-)Gedicht, das die Verworrenheit von Haus und Natur in sensorischen Bildern beschreibt.“ (Esther Buss)
USA 2025 | 67 min | 16mm
R: Vivian Ostrovsky, Ruti Gadish | B: Vivian Ostrovsky | K (Super-8): Louise Botkay, Andrea Capella, Vivian Ostrovsky | Animation: Shuli Tager & Daphna Awadish | SD: Benoit Glig | E: Ruti Gadish | Stimmen: Voices: Elizabeth Bishop, Anne Carson, Vivian Ostrovsky | Mit Elizabeth Bishop











