Ein kleiner Ort in Bosnien-Herzegowina, in Grenznähe zu Kroatien, ist Durchgangsstation für Frauen, Männer, Kinder, ganzer Familien auf der Flucht vor den Taliban in Afghanistan. Sie müssen ihren Weg durch die Landminen suchen, die noch vom Jugoslawienkrieg in den Neunzigerjahren überall in der Erde stecken. Ein gefährlicher Weg, der Film beginnt mitten in der Nacht, um den Grenzbeamten zu entgehen. Werden sie aufgegriffen, nimmt man ihnen das Geld und die Handys, und sie werden wieder zurückgeschickt. Der Fluchtweg beginnt aufs Neue.
Vögele erzählt in langen panoramatischen Einstellungen, sujethaften Tableaus aus Totalen und Halbtotalen, treibt in keinem Moment die Narration voran und führt nur zögerlich individuelle Protagonisten ein. Kein Statement, keine Erklärung, kein sprechender Kopf und keine Musik weit und breit. Nur die körnigen Bilder der verminten Landschaft, der auszehrende Fußmarsch der Flüchtenden und die vom Jugoslawienkrieg immer noch gespenstisch heimgesuchten Bewohner. In den Bildern der Ausweglosigkeit teilt sich die Historie, in der Zusammenführung von Landschaft und Wahn, ganz unmittelbar und in großer Nähe zu den universell betrachteten
Menschen mit. – Dunja Bialas
Nicole Vögele
CH 2024 | DocAlliance Award
138 min | Bosnisch, Persisch, Kurdisch
Nicole Vögele
Geb. 1983 in Olten, Schweiz. Studierte Journalismus an der MAZ in Luzern und Dokumentarfilm an der Filmakademie Baden-Württemberg. Unterrichtet als Professorin für Bewegtbild an der HFBK Dresden.
Filme (Auswahl)
Jenseits retour 2010 | Serbia_Boy_26 2011 | Frau Loosli 2013 | In die
Innereien 2013 | Nebel 2014 | Closing Time 2018 | The Landscape and the Fury 2024
R+B: Nicole Vögele | K: Stefan Sick | E: Hannes Bruun | S: Jonathan Schorr, Jean-Pierre Gerth | M: Alva Noto | P: Aline Schmid, Adrian Blaser