| In LONDON ORBITAL vereint sich der „country in focus“ mit den „artists in focus“. Der Titel unserer Reihe verdankt sich dem gemeinsamen Film „London Orbital“ (2002) der Schriftsteller und Filmemacher Iain Sinclair und Chris Petit. Ihre gemeinsamen Filme, zu denen auch der Künstler, Schriftsteller und Filmemacher Andrew Kötting als Dritter im Bunde gehört, lassen sich als sich öffnende „Sichtschneisen auf unsere Wirklichkeit “ beschreiben, wie es der deutsche Sinclair-Übersetzer Sven Koch treffend benennt. Zentral in dem Werk der Briten ist die Bewegung. Sie nehmen ungewöhnliche Fortbewegungsmittel wie ein Tretboot in Form eines gigantischen Schwans in „Swandown“ (2012), oder sie erwandern urbane Randgebiete, wie etwa eine großflächige Siedlung, die unbarmherzig von der zweitlängsten Ringautobahn Europas, der M25, eingeschlossen ist (in „London Orbital“). Es wird tatsächlich gewandert: Real beschrittene Wegstrecken bilden den filmischen Rahmen für das Erkunden der kulturellen, historischen oder auch psychischen Tiefen-Topographie. Das Wandern wird zum thematischen Gedankenraum, den Iain Sinclair, Andrew Kötting und Chris Petit in ihren Filmen erkunden. Die Ästhetik ihrer Filme ist offen und rau und folgt, wie ihr Durchwandern der Landschaft, spontanen Impulsen: eine Wegabzweigung eignet sich gleichermaßen als Assoziationsgeber wie skurrile Objekte der Freizeitindustrie, eine App auf dem Mobiltelefon oder Experimente mit der mitgeführten 16mm-Kamera. |
Andrew Kötting / mit Iain Sinclair
Andrew Kötting Geb. 1959 in Kent. Studierte Kunst am Ravensbourne College of Art and Design und Mixed Media an der Slade School of Art London. Unterrichtete Time Based Media an der University for the Creative Arts Canterbury. Experimentell-dokumentarischer Filmemacher, Performance-
und Installations- und Buch-Künstler, der für seine Projekte immer mit Familie und Freunden zusammenarbeitet.
Filme (Auswahl)
Gallivant 1996 | Swandown 2012 (20. UX) | By Our Selves 2015 (20. UX) | Edith Walks 2016 | The Whalebone Box 2019 | The Memory Blocks 2025
By Our Selves

Toby Jones, Andrew Kötting (als Stroh-Bär) und ihre Gefährten lassen die Wanderungen und Gedanken des Dichters John Clare aus Northamptonshire wieder aufleben.
freitag 10 okt 18:00 filmmuseum | zu gast: Andrew Kötting
Andrew Kötting
GB 2015 | Deutsche Premiere
83 min | Englisch
R+B: Andrew Kötting | K: Nick Gordon Smith | E: Cliff West, Andrew Kötting S: Philippe Ciompi | M: Jem Finer | P: Edward Fletcher, Andrew Kötting | Mit Toby Jones, Iain Sinclair, David Aylward, Alan Moore, Freddy Jones, Eden Kötting
Swandown

Psycho-Geographie einer Reise. Über Wasserwege schippern Kötting & Sinclair vom Strand von Hastings im Südosten Englands ins Londoner Viertel Hackney – in einem Tretboot, das ein mächtiger Schwan ist.
samstag 11 okt 18:00 filmmuseum | zu gast: Andrew Kötting
Andrew Kötting
GB 2012 | Deutsche Premiere
90 min | Englisch
R: Andrew Kötting | B: Andrew Kötting, Iain Sinclair | K: Nick Gordon Smith
E: Cliff West | S: Philippe Ciompi, Robert Farr | M: Jem Finer | P: Lisa Marie Russo | Mit Anonymous Bosch, Philippe Ciompi, Marcia Farquhar, Andrew Kötting, Kristin O’Donnell, Iain Sinclair
Chris Petit / mit Iain Sinclair
Chris Petit Geb. 1949 in Malvern, Worcestershire. Verfasser von elf Romanen. Zahlreiche Arbeiten fürs Fernsehen. Als Filmemacher spielt er mit essayistischen, dokumentarischen und fiktionalen Formen und deren Verschränkung. Teilt mit Iain Sinclair, mit dem er häufig zusammenarbeitet, einen psychogeographischen Zugang zur urbanen Wirklichkeit Londons wie in seinem ersten Roman „Robinson” (1993).
Filme (Auswahl)
Radio On 1979 | An Unsuitable Job for a Woman 1981 | Chinese Boxes 1984
Unrequited Love 2006 | Content 2010
D is for Distance 2025 (20. UX)
Iain Sinclair Geb. 1943 in Cardiff. Schriftsteller, Dokumentarist, Filmemacher, Poet, Flaneur und visionärer Urbanist. Als Psychogeograph ist er von den Situationisten inspiriert. Seine Erkundung von Stadträumen spürt die versteckten Bezüge zwischen Politik, Ökonomie, Phantasmen und Imagination auf. Enge filmische Zusammenarbeit u.a. mit Andrew Kötting und Chris Petit.
Filme (Auswahl)
mit Chris Petit : The Falconer 1998 | London Orbital 2002
mit Andrew Kötting: Swandown 2012 (20. UX) | By Our Selves 2015, (20. UX) |
Edith walks 2017
London Orbital

Die Er-Fahrung der zweitlängsten Ringautobahn Europas führt zum tranceartigen Zustand. Wie ein Mond auf der Umlaufbahn fährt man dahin, wird erfasst von der Zentrifugalkraft von H.G. Wells und J.G. Ballard, gerät ins Labyrinth von Jorge Luis Borges, begegnet atemlos den Untoten von Bram Stoker in der Verschwommenheit des BetaCam-Materials.
montag 13 okt 18:30 werkstattkino | zu gast: Chris Petit
Chris Petit & Iain Sinclair
GB 2002 | Deutsche Premiere
76 min | Englisch
R+B+K: Chris Petit, Iain Sinclair | E: Emma Matthews | M: Bruce Gilbert | S: William Sinclair | P: Keith Griffiths | V: Illuminations Films | Mit J. G. Ballard