das schweigen brechen
Gedenkinitiative für NS-„Euthanasie”-Opfer
Filme & Gespräche
Die Gedenkinitiative für NS-„Euthanasie”-Opfer engagiert sich seit 2015 für eine gelebte Erinnerungskultur an die Opfer der Krankenmorde. Sie setzt die Bemühungen der AG Psychiatrie und Fürsorge im Nationalsozialismus
in München fort, die 2018 das Gedenkbuch für die Münchner Opfer der NS-„Euthanasie”-Morde für das NS-Dokumentationszentrum und den Bezirk Oberbayern herausgegeben hat.
Zentrale Anliegen der Gedenkinitiative sind die Unter-stützung der betroffenen Familien und die Sensibilisierung der Gesellschaft für eine oft vergessene Opfergruppe.
Was bewegt uns? Viele die persönliche Betroffenheit: Die einen, weil es in der Familie ein Opfer gab, die anderen, weil sie sich die Frage stellen: Wäre ich damals auch
ermordet worden? Und die Dritten fragen sich: Wie hätte ich damals gehandelt, wenn ich verantwortlich gewesen wäre? Aber es ist nicht nur die persönliche Betroffenheit, die zum Engagement führt. Erinnerungskultur in Deutschland lebt von jenen, die die Geschichte verstehen wollten, die aus der Geschichte lernen wollten und die Geschichte vermitteln wollten.
In Kooperation mit der Gedenkinitiative lädt UNDERDOX zu einem Nachmittag mit Filmen und Gesprächen mit den Angehörigen von Opfern der NS-„Euthanasie” ein. Unser Dank gilt Sibylle von Tiedemann von der Gedenkinitiative.
programm:
Das Schweigen brechen
Um die 300.000 Menschen fielen in der Nazi-Zeit den „Euthanasie”-Morden zum Opfer. Jeder achte Deutsche hat einen ermordeten Verwandten unter seinen Vorfahren. Doch in der Erinnerungs- und Gedenkkultur spielen sie nur selten eine Rolle.
Gleichzeitig beeinflussen diese Verbrechen bis heute unsere Gesellschaft in der Diskussion über Inklusion, den Umgang mit Behinderten und Randgruppen. Die Krankenmorde haben in den Familien, in
denen ihr Schicksal verschwiegen wurde, ein Trauma hinterlassen.
Viele Nachkommen machen sich auf Spurensuche. Sie brechen das Schweigen und erzählen von den ermordeten Angehörigen, nennen öffentlich ihre Namen. „Das Schweigen brechen” zeichnet das NS-System der Krankenmorde nach und gibt den Angehörigen das Wort, die sich auf die Suche nach der Wahrheit gemacht haben.
Filmgespräch mit den Angehörigen der Opfer:
Begrüßung: Gedenkinitiative (Sibylle von Tiedemann)
Filmgespräch mit: Barbara Baum, Margarete Flygt und Josef Held
Robert Domes
DE 2025
37 min | Deutsch | K+S+E: Lorenz Kloska, bfs

Eigentlich wollte ich nicht so lange bleiben
In den späten 1970er-Jahren zog Andreas Grützner vom Dorf nach Hamburg. Als 17-Jähriger findet er eine Anstellung in den Alsterdorfer Anstalten. Der Ort und der gewaltvolle Umgang mit den dort untergebrachten Menschen mit Behinderung überfordern ihn, doch er bleibt und erlebt einen gesellschaftlichen Wandel mit. Die späte Aufdeckung eines Familientraumas setzt ein Nachdenken über die Zeit in Gang.
Wie veränderte sich das Umgehen mit Menschen in Heil- und Pflegeanstalten von den 70er Jahren bis heute? Wer sind die Menschen, die in so einer Einrichtung leben und wie erlebt es ein
junger Mann, der in den 70ern dort anfängt zu arbeiten? Konfrontiert mit einer traumatischen Entdeckung in der Familienbiografie startet eine Reflexion. – Andreas Grützner
Andreas Grützner
DE 2025
Preis der deutschen Filmkritik
23 min | Deutsch
Andreas Grützner
Geb. 1962, Sozialpädagoge, Künstler und Kulturschaffender mit langjähriger Erfahrung in inklusiven Projekten, Filmproduktion und Festivalorganisation.
Filme
Romy, ich bin krank 2013 | Christ/el 2016 | Land der Gegenden 2019 Eigentlich wollte ich nicht so lange bleiben 2025
B+P: Andreas Grützner | Mit Helga Kreutz, Walter Uehr, Anita Grönig, Olaf Wohlert, Günter Auerswald